Fotografieren in Nordkorea

2012 reiste ich für einige Tage nach Nordkorea. Vor diesem Peking/Nordkorea-Urlaub kaufte ich mir die Canon EOS 60D sowie das Objektiv EF24-105mm f/4L IS USM. Wir waren zu viert: eine Frau aus Litauen, je ein Mann aus Schweden und Norwegen sowie ich.

Flugticket Peking nach Pjöngjang
Pass mit nordkoreanischem Visum

Ich musste die Kamera sowie das Netbook aus dem Rucksack nehmen und zeigen. Ich wurde gefragt, ob die Kamera GPS-fähig sei, was ich verneinte und auch die Frage nach einem Internetanschluss verneinte ich. Man hat mich dann weiter gelassen und weder Kamera noch Netbook genauer angeschaut. Kameras, die GPS-fähig sind, dürfen nicht eingeführt werden. In früheren Jahren hatte man schon Probleme, überhaupt eine Fotokamera in das Land mitnehmen zu dürfen. Wenn ihr von dem her eine Kamera habt, die irgendwo das GPS-Logo aufweist, könnte es Probleme geben (muss nicht). Alles, was man beim Zoll abgibt (wie Reisepass und Mobiltelefone), bekommt man wieder zurück, bzw. es wird verpackt und den Reiseleitern/Aufpassern gegeben.

Ein Soldat wird von einem Touristen fotografiert

In Nordkorea fährt man oft direkt zum Zielgebiet oder zur Sehenswürdigkeit und dort ist die Zeit knapp. Im Internet habe ich viele Berichte gelesen, das man während der Fahrt nicht vom Auto aus fotografieren durfte. Bei uns war das aber kein Problem. Sonst hätte ich sehr viele Fotos von Pjöngjang nicht machen können. Während der Fahrt mit dem Zug von Pjöngjang nach Peking konnte man ungestört aus dem Fenster fotografieren (die Gegend erinnert stark an südostasiatische Länder). Das Fenster konnte man aber nicht öffnen. Im nordkoreanischen Speisewagen wollten die Leute nicht, dass wir Fotos machen.

Drei nordkoreanische Soldaten vor der nord-südkoreanischen Grenze

Fotografieren ist in der Regel erlaubt. Aber man muss gewisse Dinge beachten: Wenn die Reiseleiter sagen, dass hier nicht fotografiert werden soll, dann sollte man sich auch daran halten. Da man in der Regel nie mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt kommt, erübrigt sich das Fragen oder Probleme mit dem Ablichten von der lokalen Bevölkerung. Wenn man zur Grenze an der DMZ fährt, gibt es eine Stelle, an der man nicht fotografieren darf. Wir fragten dort trotzdem, ob wir ein Propagandaschild ablichten dürfen und es wurde uns erlaubt. Aber man muss gar nicht versuchen, heimlich weitere Fotos zu machen. Bei der Grenze hiess es, dass wir fotografieren dürfen. Also machte ich auch Fotos von den Soldaten. Mal näher, mal weiter weg. Man machte auch Gruppenfotos mit einzelnen Soldaten. Trotzdem wurde ich, als wir den Ort verliessen, von der Reiseleiterin scharf gerügt, weil ich die Soldaten nicht gefragt hätte. Ob ich es gerne hätte, ungefragt fotografiert zu werden. Bei der internationalen Freundschaftsausstellung darf man keine Kamera hineinnehmen, man muss sie abgeben. Dies gilt auch für Zubehör wie z. B. SD-Karten.

Der Autor macht mit dem Stativ ein Foto des Triumphbogens bei Nacht

Als wir später auf einem Feld einige Arbeiter fotografierten, ist die Reiseleiterin wütend geworden. Sie sagte, das seien Soldaten und wir sollen die Fotos löschen. Ich löschte daraufhin umgehend die zwei Fotos. Der andere Reisende hatte eine neue Kompaktkamera und als er die Fotos nicht gleich löschen konnte, hat sie ihn angefaucht. Er löschte die Bilder und es ist nichts mehr passiert. Die zwei andern Reisenden konnten währenddessen mit ihrer kleinen Kompaktkamera auch ein Foto des Feldes machen, ohne dass die Reiseleiter es bemerkt hätten. Es war nichts Spezielles, trotz voller Vergrösserung waren die Menschen noch weit genug weg. Und wir hatten nicht zum ersten Mal Farmer abgelichtet. Später musste ich im Auto nochmals ein Foto löschen, weil ich einen LWK vor uns fotografierte, auf dem hinten viele Männer sassen. Sie erinnerte mich daran, dass man keine Soldaten fotografieren solle und ich löschte das Bild nach einem vergeblichen Ausredeversuch. Als ein anderer Tourist einen mit Teer beladenen rauchenden Lastwagen fotografierte, ist die Reiseleiterin auch sehr wütend geworden. Er hat es darauf ankommen lassen und die Aufnahme nicht gelöscht. Passiert ist nichts. Es scheint, als seien die Reiseleiter sehr sensibel, was “unvorteilhafte“ Fotos angeht. Für sie sieht es schlecht aus, wenn man z. B. Arbeiter auf dem Feld fotografiert oder etwas einfacher gekleidete Leute zwischen den Städten. Auch staubige Strassen in kleinen Ortschaften, Felder fanden die Reiseleiter oft wohl nicht gut genug, um fotografiert zu werden.

Der Trimphbogen von Pjöngjang bei Nacht

Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass man es mit einer kleinen, leisen Kompakt- oder Systemkamera leichter hat, in Nordkorea zu fotografieren. Wer eine Spiegelreflexkamera hochhebt, durch den Sucher blickt, den Ausschnitt vergrössert und mehrmals abdrückt, kann sich den Blicken der Reiseleiter gar nicht entziehen, während man mit den kleinen Apparaten z. T. schon wahnsinnige Vergrösserungsmöglichkeiten besitzt und dezenter fotografieren kann. Trotzdem würde ich beim nächsten Urlaub wieder meine Spiegelreflexkamera mitnehmen.

Man kann die Reiseleiter oder die lokalen Führer fragen, ob man zusammen mit der Gruppe ein Foto machen kann. Das wird meistens auch erlaubt. Aber man kann den Reiseleitern kein Foto schicken, weil man nicht in Kontakt bleiben kann.

Schulkinder in Pjöngjang

Die grossen Bronzestatuen (z. B. von Kim Il Sung) dürfen nur als Ganzes fotografiert werden. Man darf also nicht nur den Kopf oder den Oberkörper ablichten, sondern muss die ganze Statue auf dem Bild haben. Kontrolliert wurde es nie und aus Versehen hatte ich dann doch ein Foto entdeckt, auf dem nur ein Teil der Statue zu sehen war. Die Statuen dürfen auch nicht von hinten fotografiert werden (es wäre sowieso schwierig um die Statue herum zu laufen). Man muss sich immer erst verbeugen. Bei den grossen Statuen auf dem Mansu-Hügel muss man auch Blumen niederlegen. Ich habe schon Reiseberichte gelesen, wo sich die Touristen nicht verbeugen mussten.

Passanten in Pjöngjang

Im Hotel konnte man ohne Probleme Fotos machen. Im Lift oder in der Eingangshalle. In den Gängen und auch im Zimmer liessen sich zu meiner Überraschung die Fenster öffnen. So konnte man abends oder früh morgens auch einige gute Fotos machen. Man kann im Zimmer auch die Fotos z. B. auf andere Karten, Festplatten oder das Netbook speichern, falls man Angst hat, dass man irgendwo plötzlich Fotos löschen muss (wie z. B. bei der Ausreise).

Eine Frau regelt den Verkehr an einer Kreuzung in Pjöngjang

Oft habe ich gelesen, dass die Kamera bei der Ausreise stichprobenartig kontrolliert werden, das einige Bilder ev. gelöscht werden müssen. Aber ich habe auch von Reisenden gelesen, deren Kamera gar nicht angeschaut wurde. Wie dem auch sei, wir haben alle unsere Fotos mehrmals gesichert. Im schlimmsten Falle, wenn Fotos gelöscht werden, könnte man die wiederherstellen, in dem man danach die Karte raus nimmt und nicht mehr braucht und später mit RecoverySoftware die Bilder wiederherstellt. Ausserdem machten wir während der fast fünfstündigen Zugfahrt bis zur Grenze am Ende Tausende sinnlose Fotos. Das wäre zum Kontrollieren sehr mühsam geworden. Von uns vier Touristen wurde keine einzige Kamera oder Netbook kontrolliert. Es ist eben nicht mehr zeitgemäss. Aber auch hier, es kommt wohl immer darauf an. Ich habe seitdem mehrere Leute (Chinesen und Osteuropäer) getroffen, bei denen die Kameras stichprobenartig kontrolliert wurden.

Ein Baby im Spital das so etwas wie eine Plasticwindel trägt

Kurioserweise kam man der lokalen Bevölkerung während der Zugfahrt fast am nächsten. Nur getrennt durch das Glas der Scheibe. Die Fahrt von Pjöngjang nach Peking war sehr schön und kann ich nur empfehlen. Unsere zwei Reiseleiterinnen kamen nicht mit. Wir waren alleine im Zug und bekamen auch das Paket mit den Pässen und Mobiltelefonen zurück, welches wir jedoch erst an der Grenze öffnen durften.

Das Yanggakdo Hotel nachts

Es lässt sich eigentlich sagen, dass Nordkorea ein sehr spannendes Land ist, um zu fotografieren. Schon nur, weil nur eine Handvoll guter Fotografen dorthin reisen. Fotos und Arbeiten von Fotografen wie der Brite Rob Whitworth, der Franzose Eric Lafforgue oder Amerikaner David Guttenfelder sind äusserst spannend. Selbst wenn die Bewegungsfreiheit natürlich eingeschränkt ist. Von verarmten Dörfern und Lagern wird man ferngehalten.

Zugticket
Zugticket
Felder vom Zug aus fotografiert
Kinder auf einem Feldweg winken den Zugpassagieren zu
Ein kleines Mädchen im gelben Kleid bei einem Bahnhof
In der Nähe der chinesischen Grenze: Kinder mit Schiwmmzeug

Interessante Links zu Bildergalerien über Nordkorea oder Fotografen, die dort waren:

www.davidguttenfelder.com

SPIEGEL Online: Fotos von dem Franzosen Eric Lafforgue

SPIEGEL Online: Seltene Bilder aus dem Alltag

SPIEGEL Online: Hinter den Kulissen der Volksrepublik

National Geographic: So sieht es aus

SPIEGEL Online: Associated Press schickt Instagram-Bilder aus Nordkorea

Pjöngjang im Zeitraffer - Ein Film von Rob Whitworth

www.robwhitworth.co.uk

Seltene Einblicke in die Schönheiten Nordkoreas

Daheim ist, wo man ist – auch in Nordkorea

Bilder aus Nordkorea - Freizeitspaß im Kim-Land

Urlaub in Nordkorea - "Am Anfang hatte ich Angst"

Fotoprojekt "The Atlas of Beauty": Schönheit hinter dem Vorhang

Along the North Korean Border

Peering into North Korea

Along North Korea's border with China, an uneasy alliance and a fear of war

A Border With a View: Watching North Korea From the Outside

On the banks of North Korea

China's Border With North Korea


Bücher:

Nordkorea - Geschichte, Kultur, Sehenswürdigkeiten von Arno Maierbrugger, Trescher Verlag

Kim & Struppi - Ferien in Nordkorea von Christian Eisert, ullstein extra

Pjöngjang von Guy Delisle, Reprodukt

Geschichte des Koreakrieges - Schlachtfeld der Supermächte und ungelöster Konflikt von Bernd Stöver, Verlag C.H.Beck

Im Land des Flüsterns - Geschichten aus dem Alltag in Nordkorea von Barbara Demick, Knaur

Schwarze Magnolie - Wie ich aus Nordkorea entkam, ein Bericht aus der Hölle von Hyeonseo Lee, Heyne

Flucht aus Lager 14 - Die Geschichte des Shin Dong-hyuk, der im nordkoreanischen Gulag geboren wurde und entkam von Blaine Harden, DVA SPIEGEL Buchverlag. Hinweis: Shin Dong Hyuk widerruft Teile des Berichts

Das Traumpaar des Diktators - Die unglaubliche Geschichte einer Entführung nach Nordkorea von Paul Fischer, rowohlt Polaris

Nordkorea - Innenansichten eines totalen Staates von Rüdiger Frank, DVA

Denunziation - Erzählungen aus Nordkorea von Bandi, Piper

Anonymous country North Korea - photographs by Julie Leeb, teNeues

Korea Korea - Ein Fotoprojekt von Dieter Leistner, museum angewandte kunst, gestalten


Bücher, in denen Nordkorea nur zum Teil vorkommt:

Geschlossene Gesellschaften - Eine fotografische Reise durch kommunistische Länder von Tomas van Houtryve, Benteli

Tiziano Terzani. Asien, mein Leben - Die grossen Reportagen von Angela Terzani und Dieter Wild, SPIEGEL Buchverlag

Tiziano Terzani. Meine asiatische Reise - Fotografien und Texte aus einer Welt, die es nicht mehr gibt, DVA SPIEGEL Buchverlag


Dokumentationen:

Korea - für immer geteilt? Teil 1 und Teil 2, Pierre-Olivier François. ARTE France 2013

Mein Besuch in Nordkorea - Videotagebuch junger Reisender, Susanne Zimmermann, ZDF 2014

Im Strahl der Sonne (auch Inside Nordkorea genannt), Vitalij Manskij, 2015

The girl from the south, José Luis García, Argentinien 2012


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