Wer kennt das nicht? Da steht man über einer Stadt und möchte diese fotografieren. Man stellt alles so ein, dass man die Stadt perfekt sieht. Leider kommt bei dem Foto der schöne Himmel jedoch gar nicht zur Geltung, er ist einfach komplett weiss überbelichtet. Nun stellt man die Kamera so ein, dass der Himmel super im Bild ist, jedoch sieht man von der Stadt nicht mehr als einen Umriss oder im etwas besseren Falle ist sie einfach zu dunkel sichtbar. Was wäre hier eine gute Lösung abgesehen das Bild digital zu bearbeiten? Man könnte einen Zwischenwert einstellen damit beides sichtbar ist. Aber Stadt und Himmel wären dann beide nicht in einer sehr guten Qualität. Die Stadt wäre etwas zu dunkel, der Himmel immer noch etwas zu hell. Nicht zufriedenstellend. 

 

f/6.3, 1/160 Sekunden, ISO 100

Canon EOS 60D mit Objektiv EF24-70mm f/2.8L II USM

Altstadt von Bern

 

 

 

f/11, 1/2000 Sekunden, ISO 100

Canon EOS 60D mit Objektiv EF24-70mm f/2.8L II USM

Altstadt von Bern

 

 

 

Anderes Beispiel: Man fotografiert jemanden zu Hause. Die Person steht vor dem Fenster. Ungewollt ist die Person zu dunkel dargestellt, man sieht jedoch den Garten ausserhalb des Fensters in voller Pracht. Wer im Automatikmodus seiner Kamera nicht gezielt fokussiert, wird dieses Problem vielleicht kennen. Wer die Kamera manuell einstellt und weiss was die Einstellungen bedeuten und eine solche Situation erkennt, der würde die Einstellungen so wählen, dass die Person gut sichtbar ist. Das Problem aber: Der Garten ist dann überbelichtet.

Hier könnte man als Lösung folgendes machen: Man lässt die Einstellungen so, das der Garten gut sichtbar ist und nutzt einen Blitz um die Person aufzuhellen. Wer nicht gerne Blitzfotos macht, kann die Stärke des Blitzes zurück stellen damit der Effekt nicht zu stark erscheint oder indirekt blitzen (bei einem Aufsteckblitz).

 

f/4, 1/1000 Sekunden, ISO 50

Canon PowerShot G3

In der Halong Bucht, Viet Nam

 

 

 

f/4, 1/80 Sekunden, ISO 50

Canon PowerShot G3

In der Halong Bucht, Viet Nam

 

 

 

Wer beides - also Vordergrund und den helleren Hintergrund bzw. Himmel - gut auf dem Bild haben möchte, kommt nicht darum herum, es zu bearbeiten.

Da ich nicht viel Zeit mit Digitalbearbeitung am Rechner investieren möchte, nutze ich ein HDR-Programm. HDR, auch HDRI genannt, steht für High Dynamic Range Image. Grosse Helligkeitsunterschiede auf einer Aufnahme können mit solchen Programmen sichtbar gemacht werden.

Das erfordert aber während dem Fotografieren eine gewisse Vorarbeit. Man macht drei Aufnahmen. Eine Aufnahme "normal" belichtet (wo Himmel und Stadt je in minderer Qualität sichtbar sind), eines überbelichtet (die Stadt gut sichtbar und der Himmel zu hell) und eines unterbelichtet (der Himmel gut sichtbar, die Stadt zu dunkel).

Die Software nimmt dann von jedem der drei Bilder das beste und setzt es automatisiert zusammen.

Zuerst braucht man aber die Fotos. Wenn man die Aufnahmen macht, dann sollte man ein Stativ nutzen. Damit der Inhalt bei allen drei Bildern wirklich an der selben Stelle liegt und auch bei der längeren Belichtung keine Verwackelung vorkommt.

Ich setzte die Kamera auf das Stativ, mache ein Foto das mir gefallen würde. Dieses Bild stellt den Mittelwert zwischen der Unter- und der Überbelichtung dar. Ich prüfe die Schärfe und stelle diese zur Sicherheit auf MF damit die Kamera bei allen drei Aufnahmen dieselbe Fokussierung besitzt.

Ich könnte jetzt für die Unterbelichtung und Oberbelichtung die Einstellungen manuell anpassen. Aber dabei geht Zeit verloren oder ich könnte durch das Drücken der Knöpfe an der Kamera eine minimale Verwacklung hervorrufen.

 Daher nutze ich eine kamerainterne Einstellung. Bei der Canon EOS 60D kann man im Menü den Eintrag Beli.korr./AEB finden.

 

Dort drehe ich mit dem Rädchen damit von der Mitte aus nach links und rechts zwei Riegel verschoben werden (für die Unter- und Überbelichtung).

Dann mit Set bestätigen und das Menü verlassen. Die geänderten Einstellungen sind im Info-Menü auch erkennbar. Wer jetzt drei Fotos macht (Kabel- oder Fernauslöser) erhält drei verschiedene Resultate. Wenn man mit dem dunkeln oder hellen Bild nicht zufrieden ist, kann man die Stärke in der Einstellung reduzieren oder vergrössern.

Jetzt besitzt man die drei Aufnahmen, die es benötigt. Normal, zu dunkel und zu hell. 

 

 

 Beispiele:

Hier kann man zwei Bilder vergleichen. Jeweils die Original- mit der HDR-Aufnahme.

 

Computer/Laptop: Bitte mit der Maus über die Bilder fahren, um im Vergleich zum Originalbild die HDR-Aufnahme zu sehen

Tablet/Pad/Smart Phone: etwas länger das Bild mit dem Finger angetippt lassen

Stadt Bern vom Rosengarten aus fotografiert.

 

 

 

Hier wurde mit dem Programm ein dramatischer Filter gewählt zum Erstellen des HDR-Bildes. Dazu weiter unten mehr.

 

Neumattbrücke, Burgdorf

 

 

 

Und wie funktioniert es?

Ich benutze das gratis im Internet zu findende Programm easyHDR_BASIC_2.

Ich habe mehrere gratis zur Verfügung stehende Programme ausprobiert und das hat mir am besten gefallen.

 

Die drei Bilder vom Explorer aus ins Programmfenster ziehen.

 

Hier auf HDR erstellen klicken.

 

Hier auf Fortfahren klicken.

 

Das Bild wird jetzt standardmässig erstellt. Ich bin eigentlich der Meinung, dass das meistens schon ausreicht. Man möchte ein Bild nicht entfremden, sondern einfach alles gleich gut sehen können.

 

Das Programm erstellt nur eine verkleinerte Version der Originalgrösse. 33%. Rechts sollte man daher wieder die 100% anwählen. Man möchte die Grösse der Originalbilder beibehalten. Wenn man jetzt Mühe hat das ganze Bild zu sehen, kann man am unteren Bildschirmrand auf das Doppelpfeilsymbol klicken um das ganze Bild zu sehen.

   

 

Oben bei Voreinstellung wo [Standard] steht könnte man aus einer Liste gewisse Entfremdungs-Effekte (dramtisch - stark, dramatisch - hell, dramatisch - dunkel, hoher Kontrast usw.) auswählen. Man sieht in Realzeit, wie sich das Resultat verändert.

 

Sollten diese Filter nicht aufgelistet sein, dann kann man diese importieren via Einstellungen laden. Man muss einfach wissen, wo sie gespeichert sind.

 

Hier wurde z. B. der Filter dramatic-bright ausgewählt. Wenn das Resultat gut sein sollte, kann man es speichern in dem man auf das rechte Disketten-Symbol klickt.