Startrails bedeutet so viel wie Sternspuren. Aber was soll das bedeuten? Schon mal die Sterne beobachtet während einer klaren Nacht? Sterne bewegen sich nicht. Es ist die Erde, die sich dreht und dadurch wandern die Sterne über den nächtlichen Himmel. Und zwar schneller, als man denkt.

Wer eine Spiegelreflexkamera besitzt und eine Langzeitbelichtung macht wird sehen, dass die Sterne auf der Aufnahme keineswegs als Punkte erkennbar sind, sondern als Linien. Bei einer einigen Minuten langen Aufnahme ist der Effekt bereits erkennbar. 

Wer möglichst lange Linien im Bild haben möchte und daher die Blende sehr lange offen lässt wird vom Resultat vielleicht enttäuscht sein. Nicht nur heizt sich die Kamera auf und es entsteht ein sehr starkes Bildrauschen. Sondern auch der Vordergrund wird - je nach Lage - überbelichtet sein. Und der Himmel, der von blossem Auge noch schwarz war, ist plötzlich viel heller und viele Sterne daher nicht mehr sichtbar.

Hier kommt die Software Startrails ins Spiel ( http://startrails.de/ ). Diese erlaubt im heutigen Digitalzeitalter, mehrere kurze Aufnahmen ohne Überhitzung/Überbelichtung mit jeweils nur ganz kurzen Spuren übereinander zu legen. Somit entsteht am Ende auch eine lange Sternspur. Der Vordergrund des Bildes ist immer der gleiche. Der Fotograf macht also während eines Zeitraums mehrere Bilder hintereinander. Diese einzelne Aufnahmen legt er dann übereinander um die Sternspuren sichtbar zu machen.

 Am Fotografen liegt es also, einen interessanten Ort zu finden. Wo man nicht gestört ist, aber trotzdem einfach hinkommt. Keine störenden Lichter in der Umgebung. Die Sterne sowohl der Vordergrund müssen gut fokussiert sein. Stativ und Fernauslöser mit Arretierfunktion gehören dazu. Im Winter auch warme Kleidung. Zu zweit macht es mehr Spass und die Zeit geht schneller vorbei. Für eine gute Länge der Sternspuren würde ich im Minimum 45 bis 60 Minuten lang Fotos machen. Am besten benutzt man ein Weitwinkel-Objektiv. Eine Taschenlampe sollte man auch dabei haben. Schon nur um je nach dem den Vordergrund zu beleuchten. Eine Vollmondnacht empfiehlt sich je nach dem auch nicht. Man sieht logischerweise weniger Sterne und der Mond könnte im Weg sein. Andererseits ist die Umgebung heller beleuchtet vom Mondlicht.

 

 Beispiele:

 

146 Fotos. f/4, 20 Sekunden, ISO 100

Canon EOS 450D mit Objektiv EFS 17-85mm f/4-5.6 IS USM

Felsenau-Viadukt

 

 

111 Fotos. f/5, 30 Sekunden, ISO 100

Canon EOS 60D mit Objektiv Canon EF 24-105mm f/4L IS

Paulus-Kirche, Stadt Bern

 

 

89 Fotos. f/9, 30 Sekunden, ISO 200 + Taschenlampe für Beleuchtung Auto

Canon EOS 450D mit Objektiv EFS 17-85mm f/4-5.6 IS USM

Auf dem Gurnigel

 

 

129 Fotos. f/4, 30 Sekunden, ISO 200

Canon EOS 450D mit Objektiv EFS 17-85mm f/4-5.6 IS USM

Waldlichtung auf der Engehalbinsel

 

 

123 Fotos. f/4, 30 Sekunden, ISO 400

Canon EOS 60D mit Objektiv Canon EF 24-105mm f/4L IS

Chinesische Mauer

 

 

77 Fotos. f/4, 30 Sekunden, ISO 400

Canon EOS 60D mit Objektiv Canon EF 24-105mm f/4L IS

Bantiger

 

 

Und wie funktioniert es?

Die Verwendung von der Software Startrails ist dabei denkbar einfach. Die Software kann gratis runter geladen werden. Nach dem Starten kann man die Fotos via Datei -> Aufnahmen öffnen laden.

 

Die einzelnen Fotos werden unter Dateien: aufgelistet. Man kann die einzelnen Fotos anklicken und sie erscheinen rechts im Fenster. Möchte man eine Aufnahme nicht im Gesamtresultat haben, kann man den Haken bei der entsprechenden Datei entfernen. Das kann ab und zu vorkommen falls in einer der Aufnahmen störendes Licht ins Bild gelangt sein sollte, ein Flugzeug durchfliegt oder Ähnliches (beim Honda-Foto weiter oben habe ich zwei Aufnahmen entfernt, als wir den Zuckerstock angezündet haben. Dieser war auf drei Aufnahmen zu sehen und alle drei Bilder im Endresultat hätten nicht gut ausgesehen). Je nach Belichtungslänge entsteht dann aber eine kleine Lücke in der Sternspur. Wenn man z. B. bemerkt das nach zwei Stunden Wartezeit das Stativ verwackelt ist und der Vordergrund nicht mehr übereinstimmt oder plötzlich Wolken auftauchen, dann entfernt man alle diese Bilder bzw. öffnet diese am besten gar nicht. Dann kann man immer noch ein Bild erstellen lassen mit kurzen Spuren.

 

Danach den Befehl Strichspuren ausführen indem man auf das dazugehörende Symbol klickt.

 

Diese Einstellung gab es vor einigen Jahren noch nicht. Ich würde die untere Option wählen, um wirklich keine Lücken in den Sternspuren zu sehen. Auch wenn diese Speicherung etwas länger dauert (in der Nacht draussen neben dem Stativ ein, zwei Stunden oder noch länger zu warten ist man gewohnt, warum es dann am Rechner plötzlich eilig haben?).

 

Die Bilder werden jetzt von der Software übereinander gelegt. Verwacklungen bemerkt man in der Regel gut. 

 

Unten kann man immer sehen, wie weit die Software ist. So kann man auch den Zeitpunkt einer möglichen Verwackelung ausfindig machen. Die Aktion lässt sich jederzeit mit der Esc-Taste abbrechen.

 

Wenn am Ende einem das Resultat gefällt, kann man das fertige Bild speichern. Ich erstelle immer JPEGs mit der voreingestellten Qualität.